Werden wir alle sterben?
Jan 8th, 2010 | By Ralf | Category: ...und wie er die Welt sahWir haben die Schweinegrippe überlebt (zumindest alle, die dies hier noch lesen können), die Finanzkrise und neulich sogar das Weihnachtsfest – soll das alles umsonst gewesen sein?

Staatsfeind No.1 - Der Schneemann
Glaubt man dem aktuellen Hype der Medien (im Übrigen ausnahmeslos – von Webportalen über Printmedien bis zu Radio und TV), ist das aktuelle Risiko einer Schneevergiftung oder einer mit Schnee einhergehenden nicht überlebbaren Krankheit – exemplarisch zu nennen: Autounfall, Althausunfall, Zehennagelverkühung, weil man barfuß unterwegs war – bei ungefähr zirka Pi mal Daumen 130%. Es wird schneien an diesem Wochenende, meine Damen und Herren – SCHNEIEN! Es scheint in der deutschen Medienlandschaft kein anderes Thema mehr zu geben als Schnee, Schnee, Schnee. Uns erwartet das schiere Chaos, wenn eine Eisbombe nach der anderen unser Land in Schutt und Asche legt.
EC-Karten funktionieren nicht? Egal – braucht ihr nicht mehr, wenn ihr tot seid wegen dem Schnee. Alle Nachrichten stehen derzeit hinter diesem höchst verblüffenden, nahenden Ereignis zurück: Es wir schneien. Und das mitten im Januar.
Ärgerlich ist hier vor allem, dass man das kaum jemandem in die Schuhe schieben kann. Die Linke ist nicht dran schuld (Sorry, BILD), die Bänker waren’s diesmal auch nicht – also wird der kleine Mensch dran glauben müssen, der den Journalisten kein größeres Geschenk machen kann, als sich foto- und optimalerweise filmwirksam schlitternd mit dem Auto um einen Baum zu wickeln. Auch erfrieren steht hoch im Kurs und beschert einem die fünf Minuten Ruhm im Tode, die man im Leben (und im Sommer) vergebens gesucht hat.
Angesichts der zu erwartenden Schneemassen (jawohl, bis zu 50cm (!) Neuschnee an einem Wochenende!) kann allerdings davon ausgegangen werden, dass man als Akteur eines medienwirksamen Dramas nicht mehr viel Zeit hat, das kreativ umzusetzen. Denn wenn der fiese Schnee erstmal liegt, erfährt eh keiner mehr, was so passiert ist. Entweder sind die Empfänger tot oder quasi-tot, denn wer glaubt denn ersnthaft, dass bei sooo viel Schnee auch nur ein Hochleitungsmast stehen bleibt?

Aktiv gegen den Schnee: Erschlagen mit Masten
Und da das mediale Abgeschnittensein anno 2010 dem eigenen Sterben gleichkommt (denn wie will man denn sein Facebook-Profil ohne Strom aktuell halten?), könnte das ein Genozid allererster Güte werden.
Besonders fatal dieser Tage: Kein Salz.
Also…die Würze dieser Nachricht ist natürlich enorm, aber die Konsequenz des fehlenden Salzes für Straßen und Wege ist nicht zu unterschätzen: Geschätzte 4 Millionen Wetterflüchtlinge, welche sich fußläufig oder via sommerbereiftem Auto auf den Weg in’s vermeintlich sichere Ausland begeben, könnten qualvoll auf die Fresse fliegen und an Schnauze-Vollitis elend zu Grunde gehen. Und das alles nur, weil den Räumdiensten das Streusalz auszugehen droht – was natürlich für die Presse wieder eine neue, genial-gruselige Horrormeldung rechtfertigt.
Vielleicht – aber nur vielleicht – wird es auch einfach nur ein bisschen schneien. Vielleicht ist einfach ein ganz normaler Winter in Deutschland, mit all seinen ganz normalen Begleiterscheinungen wie: Mehr oder minder plötzlich aufkommender Schneefall, mehr oder minder tief fallenden Temperaturen und – wie jedes Jahr – mehr oder minder (in NRW hier eher minder) gut vorbereiteten Autofahrern. Und vielleicht wird an diesem Wochenende die Welt auch einfach nur schön weiß aussehen, mit sanftem Schneefall und behaglicher Gemütlichkeit beim Rodeln, In-Die-Decken-Kuscheln oder winterlichen Einkaufen. Vielleicht. Geht es nach den Medien, wird all das natürlich nicht passieren.
Wer aber am Montag noch lebt, darf die neue Welt, das Zeitalter nach dem großen Schnee aufbauen
